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IFWK-Talk: Die KI kann vieles – aber keine Verantwortung übernehmen

Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) verändert nicht nur das konkrete Arbeitsumfeld vieler Menschen, die KI wirft auch elementare philosophische Fragen auf. Vor allem der Aspekt der Verantwortung bei der Anwendung von KI bewog den Gründer des Internationalen Forums für Wirtschafts-kommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, die Philosophin und Buchautorin Lisz Hirn zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. Zusätzlich zur Verantwortung müsse auch der Begriff des Menschseins neu ausgelotet und definiert werden, sagte die Philosophin in ihrem Impulsreferat zu „Vom Werkzeug zum Urteil – KI und die Frage nach der Verantwortung“. Denn der oft bemühte Vergleich mit einem Werkzeug – das wertfrei so oder so eingesetzt werden kann – funktioniere nicht mehr. „KI ist kein Werkzeug wie ein Hammer oder ein Kugelschreiber, sie ist eine Stufe höher“.

Die jüngste Diskussion über die Gefahr, dass die neue Technologie im Extremfall die Menschheit auslöschen könnte, sei nichts Neues, sagt Hirn. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts gab es ähnliche Debatten und Sorgen angesichts der Einsatzmöglichkeiten der Atombombe. Und so wie damals gebe es auch heute „keine andere Wahl als damit zu leben“, lautet die Schlussfolgerung der Philosophin. Es gehe nicht um die Abschaffung einer neuen potenziell gefährlichen Technologie, sondern darum, „sie im Griff zu haben“.

Der größte Diebstahl in der Geschichte der Menschheit

Maria Scholl, Vorsitzende der Geschäftsführung und Chefredakteurin der APA-Austria Presse Agentur, verweist auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von KI im Medienbereich, auch in der APA. Doch dabei dürfe man weder Risken ausblenden noch außer Acht lassen, dass viele KI-Systeme illegal mit Millionen Artikel trainiert worden seien. Auch KI-Experten selbst sprechen daher vom „womöglich größten Diebstahl in der Geschichte der Menschheit“. Oftmals werde das Thema der Verantwortung klein geredet, unterstreicht die APA-Chefin. „Auch Werkzeuge sind nie nur neutral“. Während die Technik ständig mit neuen Verheißungen locke, „lassen uns Ethik und Politik im Stich“, sagt Scholl. Grundsätzlich sei KI aber auch ein großer Turbo für Information und ihre schnelle effiziente Verbreitung, „eine Technologie, die darauf wartet, von uns gefüttert und genutzt zu werden“.

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Neue Dimension von Verantwortung

Mit dem Einsatz von KI kämen auch neue Dimensionen von Verantwortung ins Spiel, sagt der KI-Pionier und CEO der deepsearch GmbH, Roland Fleischhacker. Man könne KI schlicht als kognitiven Assistenten nutzen, etwa in Form einer Navigationshilfe im Auto. Oder aber man statte sie mit einem klaren Gesamtziel aus – und die KI werde das zielstrebiger und konsequenter verfolgen als jeder Mensch, sagt Fleischhacker, der mit seiner Firma deepsearch KI-Lösungen für Unternehmen entwickelt. „Das ist eine neue Qualität von Verantwortung.“

Gerechtigkeit ist nicht „ausrechenbar“

Anwendungen der KI würden das Feld für grundsätzliche Fragen öffnen, sagt die Philosophin Hirn. Manchmal führten schwierige Fragen zu Pattsituation, für die Ethik und Politik keine Lösungen hätten. Dann biete die Technologie verführerische Lösungen an – etwa zur Beantwortung der Frage, ob ein selbstfahrendes Auto im Zweifelsfall eher das Leben einer jungen Frau mit Kinderwagen oder das eines alten Mannes retten solle. Doch „Gerechtigkeit ist so nicht ausrechenbar“, sagt Hirn. Der alte Mann könnte sich als verdienstvoller Arzt erweisen, der Kinderwagen könnte leer sein – die Fragen nach dem Menschsein seien nicht so einfach zu beantworten. Das zeige die Vielschichtigkeit des Themas, sagt Hirn. Letztlich gehe es darum, möglichst viele Handlungsoptionen zu erhalten.

Die Konzentration auf wenige große Anbieter bringe auch die massive Konzentration und Verschiebung von Macht mit sich, sind sich die Diskutanten einig. Das gilt auch für die Energieversorgung zum Betrieb von KI, die immer größere Ressourcen verbrauche. Auch das sei ein Aspekt von Verantwortung, meint Fleischhacker. Während das Versprechen darin besteht, dass KI jedermann zu Höchstleistungen befähigen könne, würden in der Praxis fünf bis sechs „Tech Bros“ über die Ergebnisse entscheiden. Etwa durch die Entscheidung, mit welchem Datenmaterial die KI trainiert worden sei. So werde eine KI, die mit dem Gesamtwerk der britischen Bestsellerautorin Rosamunde Pilcher gefüttert wurde, ganz andere Antworten liefern als eine KI, die nur das gesammelte Wissen des Weltraumhelden Perry Rhodan abgespeichert habe. Der Input der Daten sei das einzige, was das Ergebnis steuere.

Ein Teil der Diskussion beschäftigte sich mit dem Begriff Intelligenz. KI-Experte Fleischhacker führte ins Treffen, KI habe eigentlich nichts mit Intelligenz zu tun, „es ist reine Statistik“. APA-Chefin Maria Scholl plädiert für ein erweitertes Vokabular beim Sprechen über KI. „Wir müssen lernen, unsere Sprache reicher zu machen, wenn wir über KI reden“, sagt die APA-Chefin. Denn oft würden viele Dinge und Aspekte mit diesem einzigen Begriff bezeichnet. Es könnte sich auch um eine geschickte Vermarktungsstrategie handeln, wenn von Intelligenz die Rede sei. Zudem ist es auch eine Frage der Übersetzung – das englische Wort „intelligence“ sei nicht deckungsgleich mit dem deutschen Begriff, sondern bezeichne zudem auch Datensammlungen. Hirn spricht sich dafür aus, im Plural von Intelligenzen zu sprechen. Auch Bewusstsein lasse sich nicht eindeutig definieren.

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Rechtsgrundlage zum Teil 200 Jahre alt

Bisher noch nicht eigens geregelt ist der Bereich juristischer Haftungsfragen beim Einsatz von KI. Mangels eigener expliziter Bestimmungen kommen hier noch teils 200 Jahre alte Rechtsgrundsätze zum Tragen. Das funktioniere nach dem Motto „Wer etwas falsch gemacht hat, haftet für den Schaden“, erläutert Julian von Lenthe von der Kanzlei Lugger | Bankler. Das heißt, wer Ersatz für entstanden Schaden möchte, muss beweisen, dass der andere rechtswidrig und schuldhaft gehandelt habe. „Das kann einer sein, es können alle sein oder niemand“.

Auch die KI selbst stehe in vielem noch am Anfang, sagt KI-Experte Fleischhacker. „Was wir heute sehen, ist nur ein Abklatsch von dem, was wir in fünf Jahren sehen werden“. Vor allem die zunehmende Vernetzung von KI-Systemen untereinander werde rasante weitere Fortschritte bringen.

Unterschied Effizienz und Effektivität

Ethische und moralische Fragen aber werden bleiben und an Bedeutung noch zunehmen, erwartet die Philosophin Lisz Hirn. „KI überschreitet unsere Möglichkeiten. Wir müssen wissen, wie wir das in Schach halten können.“ Trotz einer haushohen Überlegenheit der Technologie in Sachen Effizienz sehe es bei der Effektivität ganz anders aus. Und APA-Chefin Maria Scholl ortet auf vielen Seiten noch großen Lernbedarf. Alle würden reden über KI, aber nur wenige hätten wirklich fundierte Einblicke. „Das ist ein bisschen so, wie wenn Astrologen von Sternzeichen reden“.

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Rege Diskussion

An der von Sheconomy Co-Founderin Michaela Ernst moderierten Diskussion beteiligten sich nicht nur die Cyberpsychologin Beate Kniescheck und Matthias Compes von Translink Corporate Finance, sondern auch der langjährige Borealis-CEO Thomas Gangl, ÖBV-Direktor Karl Koczurek sowie die Unternehmensberater Klaus Schmid und Robert Bodenstein.

Beim anschließenden Executive Networking mit Buffet und Prickelndem von Peter Szigeti tauschten unter anderem Georg Lemmerer von der Schelhammer Capital Privatbank, Prinzhorn-CIO Manfred Ofner, Verbund-E4B-Kommunikationsleiterin Martha Salaquarda, Marte Fjelland von RHI Magnesita, Gerhard Wolf, KPMG, Michael Sponring, PwC, sowie Stefan Siegl und Roman Kutter von IMAVIDA ihre Erfahrungen im Umgang mit „KI und Verantwortung“ aus.

Die nächste Veranstaltung des IFWK widmet sich dem Thema „Explodierende AI- & IT-Kosten“ und wird am 30.11. 2026 stattfinden. Interessenten melden sich bei: office@ifwk.net

Weitere Informationen unter www.ifwk.net

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